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Warum Schweizer Infrastrukturprojekte Jahrzehnte dauern, und was Vertrauen damit zu tun hat

Ein Windpark, der seit über zwanzig Jahren diskutiert wird. Ein Bergdorf, das ein zweites Mal umgesiedelt werden könnte. Ein Lagerprojekt, dessen erster Spatenstich erst geplant ist, wenn heutige Lehrlinge längst pensioniert sind. Drei völlig unterschiedliche Schweizer Bauprojekte, ein gemeinsames Muster: Die eigentliche technische Machbarkeit ist selten das Problem. Genau hier setzt VR Visualisierung Bauprojekte Schweiz an, sie macht sichtbar, was sich sonst kaum jemand vorstellen kann.

Bei Avocado360 haben wir in den letzten Jahren mehrere VR-Filme für genau solche Projekte produziert, zuletzt zwei für Axpo im Bereich der Windenergie. Dabei ist uns ein Muster aufgefallen, das sich über verschiedenste Infrastrukturtypen hinweg wiederholt.

Wind: Wenn zwanzig Jahre nicht reichen

Oberhalb von La Chaux-de-Fonds, im Neuenburger Jura, wird seit 2001 über einen Windpark am Crêt-Meuron diskutiert. Sieben Windturbinen sind geplant. Das Verfahren hat in dieser Zeit mehrere Anläufe, Rekurse und Anpassungen durchlaufen.

Ein Detail überrascht dabei selbst viele, die sich mit dem Thema beschäftigen: La Chaux-de-Fonds trägt seit 2009 den UNESCO-Welterbestatus für seine Stadtplanung im Bereich der Uhrmacherei. Die Stadt selbst reichte deshalb jahrelang Einsprachen gegen den Windpark ein, aus Sorge um genau diesen Status. Erst 2021 zog sie ihre Einsprache zurück, nachdem das Bundesamt für Kultur schriftlich bestätigt hatte, dass das Projekt die UNESCO-Anerkennung nicht gefährdet (Suisse Éole, Januar 2021). Ein Windprojekt musste also buchstäblich eine kulturelle Unbedenklichkeitsprüfung bestehen, bevor die Debatte überhaupt auf die eigentlichen Sachfragen eingehen konnte.

Für unseren VR-Film am Crêt-Meuron bedeutete das: Wir filmten die reale Jura-Landschaft in 360° und fügten die sieben geplanten Turbinen massstabsgetreu digital ein. Der Film wurde zweisprachig produziert, weil das Projekt sowohl die deutsch- als auch die französischsprachige Öffentlichkeit betrifft.

Der VR-Film zum Windpark Crêt-Meuron, deutsche Version. Mehr dazu im Portfolio-Beitrag.

Geplante Turbinenstandorte am Crêt-Meuron, Tête-de-Ran, Jura

Die geplanten Turbinenstandorte am Crêt-Meuron.

Wasserkraft: Wenn ein Dorf zweimal umgesiedelt werden könnte

Weniger bekannt als die Windkraft-Debatten sind die Diskussionen um Schweizer Stauseen; sie sind jedoch mindestens ebenso einschneidend. 2021 einigten sich Bund, Kantone, Stromfirmen und Umweltverbände an einem «Runden Tisch Wasserkraft» auf fünfzehn Projekte, die bis 2040 zwei Terawattstunden zusätzlichen Winterstrom liefern sollen, meist durch die Erhöhung bestehender Staumauern.

Ein Beispiel, das die Dimension dieser Eingriffe deutlich macht: Das Bündner Dorf Marmorera wurde bereits einmal vollständig versetzt, als die ursprüngliche Staumauer gebaut wurde. Jetzt steht eine weitere Erhöhung um bis zu 24 Meter zur Diskussion. Bei mehr wäre eine zweite Umsiedlung nötig (Tages-Anzeiger). Ein Dorf, das ein zweites Mal in seiner Geschichte einem Stausee weichen müsste, das ist eine Grössenordnung, die sich in Zahlen kaum vermitteln lässt.

Überraschend ist auch, wie sehr sich einzelne Projekte gegenseitig blockieren. Fachleute des Bundesamts für Energie weisen darauf hin, dass es keinen Sinn ergibt, die Grimsel-Staumauer wie geplant zu erhöhen und gleichzeitig neue Speicherprojekte am Rhonegletscher zu realisieren; es gäbe schlicht nicht genug Wasser, um beide Becken zu füllen (Der Bund). Die Schweizer Wasserkraftzukunft ist damit auch eine Frage der Reihenfolge, nicht nur der einzelnen Projekte.

Grimselsee Staumauer, Grimselpassstrasse

Foto: David Birri, KWO

Atommüll: Ein Verfahren, das länger dauert als eine ganze Karriere

Am längsten läuft die Standortsuche für das geologische Tiefenlager radioaktiver Abfälle. Seit 2008 sucht die Nagra systematisch nach dem geeignetsten Standort und hat in mehreren Etappen von ursprünglich sechs auf zuletzt drei Gebiete eingegrenzt. 2022 fiel die Wahl auf Nördlich Lägern im Zürcher Unterland, im November 2024 reichte die Nagra das Rahmenbewilligungsgesuch ein (Nagra, Weg zum Tiefenlager).

Der Zeithorizont danach ist bemerkenswert: Der Bundesrat entscheidet frühestens 2029, danach muss noch das Parlament zustimmen. Die ersten Bauarbeiten sind für 2031 vorgesehen, dreiundzwanzig Jahre nach Beginn der Standortsuche. Wer heute eine Berufslehre beginnt, könnte bei Baubeginn bereits pensioniert sein. Solche Zeiträume übersteigen die Vorstellungskraft der meisten Menschen bei weitem, was das Kommunikationsproblem zusätzlich verschärft.

Bezeichnenderweise hat die Nagra das frühzeitig erkannt und betreibt bereits einen Infopavillon in Windlach, direkt bei der geplanten Oberflächenanlage. Genau an solchen Orten würde eine Visualisierung der künftigen Anlage ansetzen, nicht um zu überzeugen, sondern um überhaupt eine gemeinsame Vorstellung zu schaffen, über die sich diskutieren lässt.

Das gemeinsame Muster

Bei allen drei Beispielen, Wind, Wasser, Atommüll, wiederholt sich derselbe Kern: Menschen widersprechen selten den reinen Fakten. Sie widersprechen dem, was sie sich nicht vorstellen können, oder dem, was sie sich falsch vorstellen. Eine Staumauer, die in Zahlen «23 Meter höher» ist, sagt fast nichts aus. Ein Bild, das zeigt, wie viel Land dadurch unter Wasser verschwindet, sagt viel.

Wo Visualisierung tatsächlich hilft, und wo nicht

Wichtig ist dabei Ehrlichkeit über die Grenzen hinweg: Ein VR-Film ersetzt weder eine politische Debatte noch eine Interessenabwägung zwischen Landschaftsschutz, Energieversorgung und lokalen Anliegen. Was er leisten kann, ist etwas Bescheideneres, aber Wirksames: Er nimmt der Debatte einen ganzen Streitpunkt weg, nämlich die Unklarheit darüber, wie ein Ort überhaupt aussehen würde.

Bei unseren beiden Axpo-Projekten hat genau das funktioniert. Beim Windpark Flumserberg zeigte sich am Ende, dass das Windpotenzial für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreichte, das Projekt wurde eingestellt. Am Wert des Films änderte das nichts; er hatte seinen Zweck, eine ehrliche Diskussionsgrundlage zu schaffen, bereits erfüllt. Beim Crêt-Meuron läuft die Debatte weiter, aber zum ersten Mal mit einem echten Bild statt nur mit Zeichnungen und Zahlen.

Der VR-Film zum Windpark Flumserberg. Mehr dazu im Portfolio-Beitrag.

Ob sich ein ähnlicher Ansatz auch bei einem Tiefenlager-Infopavillon oder einer Stausee-Visualisierung bewähren würde, ist eine offene, aber naheliegende Frage. Die Herausforderung wäre technisch vergleichbar: eine reale Landschaft, digital ergänzt um das, was noch nicht existiert, und ehrlich und nachvollziehbar dargestellt.

Auch europaweit zieht sich dasselbe Muster durch, mit teils noch drastischeren Beispielen. Mehr dazu in unserem englischsprachigen Artikel für den internationalen Markt.

Welches Projekt in Ihrer Region würde von einem echten Bild profitieren?

Infrastrukturprojekte, die lange diskutiert werden, gibt es in praktisch jeder Schweizer Region, ob Windpark, Stausee, Hochspannungsleitung oder etwas ganz anderes. Wenn Sie ein Projekt begleiten, bei dem genau dieses Problem besteht, und Menschen sich das Ergebnis einfach nicht vorstellen können, sprechen wir gerne unverbindlich darüber, wie eine Visualisierung aussehen könnte.

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